Reinigung

 
Schankanlagenhygiene
 

Schankanlagenhygiene

Der Weg ist das Ziel

Wie werden Verunreinigungen entfernt? In der Getränkeindustrie wird hier zwischen unterschiedlichen Rückständen in den Leitungen unterschieden. Aber mit welcher Reinigung erzielt man das richtige Ergebnis?

 

 
Schankanlagenhygiene 
 

Reinigung und Desinfektion

Die Reinigung und Desinfektion der Getränkeleitungen muss sicherstellen, dass alle Verunreinigungen, die Getränke, Grundstoffe, Bauteile und Anlagen nachteilig beeinflussen können, entfernt werden. Reinigungs- und Desinfektionsmittelrückstände dürfen nach der Reinigung und Desinfektion nicht mehr in und an der Getränkeschankanlage vorhanden sein.
Getränkeschankanlagen sind regelmäßig nach spezifischem Bedarf zu reinigen und zu desinfizieren. Der spezifische Bedarf ergibt sich aus dem Verschmutzungsgrad der Anlage.

 

Reinigungsintervalle nach Empfehlung des Deutschen Brauerbundes und DIN 6650-6:

Getränkegruppe * 

Beispiele

Reinigungs- und 

Desinfektionsintervalle

Fruchtsaft; Fruchtnektar; Fruchtsaftgetränk, Milch

1 Tag

alkoholfreies Bier

1-7 Tage

Bier (außer alkoholfreies Bier)

7 Tage

Wein; weinhaltige Heißgetränke; kohlensäurehaltiges, alkoholfreies Erfrischungsgetränk, z.B. Limonaden, Cola

7-14 Tage

Grundstoff (Getränkesirup), Spirituose

30-90 Tage

Wasser, Tafelwasseranlagen

90-180 Tage

*Bei Mischgetränken richtet sich das Reinigungsintervall nach der kürzeren Frist der Einzelkomponente.

 

 

Zusätzlich müssen Getränkeschankanlagen in folgenden Fällen gereinigt und desinfiziert werden:

  • Unmittelbar vor der ersten Inbetriebnahme
  • Unmittelbar vor einer Außerbetriebnahme wie z.B. Betriebsferien oder Saisonbetrieb (ausgenommen bei Wasseranlagen)
  • Vor der Wiederinbetriebnahme und
  • Unmittelbar beim Wechsel der Getränkearten

 

 
  

Welche Reinigungsmittel bei welchen Getränken?

 

Alkoholfreie Getränke (AfG)

  • alkalisches Reinigungsmittel 
    Entfernung von z.B. Zucker, Aromaölen, Mikroorganismen, Pulpe

Bier

  • alkalisches Reinigungsmittel
    Entfernung von z.B. Proteinen, Zucker, Mikroorganismen, Hopfenharzen (organische Verschmutzungen)
  • saures Reinigungsmittel 
    Entfernung von z.B. Bierstein (anorganische Verschmutzungen)

 

 

Reinigungsplan 

 

Bier

AfG

Wasser

Säfte

regelmäßig

alkalisch

alkalisch

sauer

alkalisch

Grundreinigung

z.B. 4 x jährlich

sauer,

stark alkalisch

sauer

alkalisch

stark alkalisch

 

 

 

Indikatoren für eine Verschmutzung:

  • Ablagerungen jeder Art
  • Untypische Gerüche, z.B. Essiggeruch an den Zapfarmaturen, Milchsäuregeruch am Zapfkopf
  • Sensorische Abweichung der Getränke
  • Andere Auffälligkeiten, z.B. Schimmelwachstum auf Oberflächen, Eintrübung sonst klarer Getränke, Bierschleimbildung an Zapfarmaturen

 

Zulässige Verfahren nach DIN 6650-6

  • Chemische Standreinigung
  • Chemische Reinigung im Umlauf
  • Chemisch-mechanische Reinigung

  

Reinigungsverfahren

Als Stand der Technik (DIN 6650-6) gelten folgende Verfahren:

Die chemische Reinigung als Stand- oder Umlaufreinigung. Hier wird ein spezielles Reinigungs- und Desinfektionsmittel (R+D) in die Anlage gezapft oder durch die Anlage gepumpt.(z.B. für alkoholfreie Getränke, Computerausschank, automatische Reinigungsanlagen) Beläge werden aufgeweicht und Mikroorganismen abgetötet.
Der Nachteil ist, dass Beläge oft unzureichend entfernt werden, weil nur die oberen Schichten erfasst werden.

Bei der chemisch-mechanischen Reinigung werden die chemisch gelösten Beläge mit Mechanik (Reinigungsschwamm oder Bürste) sofort entfernt. Ein Wechsel der Fließrichtung des Reinigungsmittels sorgt für einen besseren Reinigungseffekt an den Innenwänden bzw. Verschraubungen und für einen kürzeren Zeitaufwand bei besseren Reinigungsergebnissen.

 

Sinnerscher Kreis

Als Sinnerscher Kreis wird der Wirkungsmechanismus benannt, mit dem Reinigungsabläufe organisiert und durchgeführt werden können. In der Reinigung spielen vier Faktoren eine wesentliche Rolle: Chemie, Temperatur, Mechanik und (Einwirk)-Zeit. Diese Faktoren werden beim Sinnerschen Kreis in Form eines Kreisdiagramms dargestellt, welches verdeutlicht, wie der einzelne Faktor durch die übrigen kompensiertwerden kann. Die optimale Einstellung der Faktoren auf die für den Anwendungsfall günstigste Methode garantiert einen Reinigungserfolg.

 

 

Mechanik
Mitreißen der Verunreinigungen (Nährboden) durch Schwammkugeln und Fließgeschwindigkeit; zu beachten ist, dass der Durchmesser der Schwammkugel größer sein muss als der Leitungsinnendurchmesser.

Chemie
Aufweichen, Lösen der Verunreinigungen Reinigung und Desinfektion und somit Abtöten der Mikroorganismen

  • Chemie: Konzentration nach Angabe des Herstellers (meist 2-5%)
  • Temperatur: kalt (heiß wäre besser, aber Problem: Kunststoff-Leitungen, Kühlung, …)
  • Zeit: mindestens 15 min.
  • Mechanik: mit Schwamm das Reinigungsmittel im Kreislauf umpumpen

 

 

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